<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!-- generator="wordpress/2.0.9" -->
<rss version="2.0" 
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	>

<channel>
	<title>BÃ¼cher Rezensionen Reflektionen</title>
	<link>https://bnab.de</link>
	<description>Ãœber analoge Texte</description>
	<pubDate>Sat, 05 Feb 2022 16:41:19 +0000</pubDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.0.9</generator>
	<language>en</language>
			<item>
		<title>Frank KÃ¤mmer: WeinirrtÃ¼mer</title>
		<link>https://bnab.de/frank-kammer-weinirrtuemer/</link>
		<comments>https://bnab.de/frank-kammer-weinirrtuemer/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 01 Jul 2007 20:46:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Allgemein</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/frank-kammer-weinirrtumer/</guid>
		<description><![CDATA[Die Rezension des kleinen Lexikons der Wein-IrrtÃ¼mer gibt es hier zu lesen.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Rezension des kleinen Lexikons der Wein-IrrtÃ¼mer gibt es <a target="_blank" href="http://weinverkostungen.de/kleines-lexikon-der-wein-irrtumer/">hier</a> zu lesen.
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/frank-kammer-weinirrtuemer/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Andrea Maria Schenkel: TannÃ¶d</title>
		<link>https://bnab.de/andrea-maria-schenkel-tannoed/</link>
		<comments>https://bnab.de/andrea-maria-schenkel-tannoed/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2007 19:48:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Rezension</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/andrea-maria-schenkel-tannod/</guid>
		<description><![CDATA[Der Krimi war wochenlang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Zudem hat er den 1. Preis des Deutschen Krimi Preises 2007 gewonnen. DarÃ¼ber hinaus ist es der erste Krimi, den Andrea Maria Schenkel verÃ¶ffentlicht hat. Ein weiterer ungewÃ¶hnlicher Aspekt ist der Verlag: Nautilus. Dieser ist eher fÃ¼r sein politisches Buch bekannt. Da erscheinen einige anarchistische Autoren.
TannÃ¶d [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Krimi war wochenlang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Zudem hat er den 1. Preis des Deutschen Krimi Preises 2007 gewonnen. DarÃ¼ber hinaus ist es der erste Krimi, den Andrea Maria Schenkel verÃ¶ffentlicht hat. Ein weiterer ungewÃ¶hnlicher Aspekt ist der Verlag: Nautilus. Dieser ist eher fÃ¼r sein politisches Buch bekannt. Da erscheinen einige anarchistische Autoren.</p>
<p>TannÃ¶d ist lesenswert, weil spannend. Die Autorin hat ein sehr feines GespÃ¼r dafÃ¼r, die dÃ¶rflichen VerhÃ¤ltnisse im Nachkriegsdeutschland zu beschreiben. Darin ist ein wesentlicher Grund fÃ¼r den Erfolg des Buches zu sehen. Es geht nicht nur darum einen MÃ¶rder zu finden, sondern eine grausame Tat vor dem gesellschaftlichen Hintergrund der damaligen Zeit zu verstehen. Der Leser fragt sich stÃ¤ndig: Wie konnte es dazu kommen?</p>
<p>Die Tat besteht in der Ermordung aller Bewohner eines EinÃ¶dhofes (eingeschlossen der Kinder). Dieser trÃ¤gt den Namen TannÃ¶d. Dieser Name ist Programm. Er klingt nach Abgeschiedenheit, dunkler Wald und Ã–de. Diese Ã–de - verstanden als eine Menschenleere - entspricht der Entmenschlichung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, der die beteiligten Personen und die unmenschliche Tat entsprechen.</p>
<p>Ein Grundmotiv des Krimis ist das Verschweigen von Verbrechen. Diese nach dem Faschismus umfangreich vorhandene Vorurteile und Verbrechen werden hÃ¤ufig angedeutet. Dazu dient auch die ErzÃ¤hlweise. Mal bestehen sie aus Mitschriften von Interviews, mal wird dem TÃ¤ter Ã¼ber die Schulter geschaut. Dabei wird eine bedrÃ¼ckende Enge erzeugt. Dies entspricht den nahen Beziehungen im Dorf, die stÃ¤ndig in eine Fremde umschlagen.
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/andrea-maria-schenkel-tannoed/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Rezension: Tatort Deutsche WeinstraÃŸe</title>
		<link>https://bnab.de/rezension-tatort-deutsche-weinstrasse/</link>
		<comments>https://bnab.de/rezension-tatort-deutsche-weinstrasse/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 24 May 2007 03:52:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Allgemein</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/rezension-tatort-deutsche-weinstrase/</guid>
		<description><![CDATA[Diese Rezension des Krimis ist hier nachzulesen.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Rezension des Krimis ist <a target="_blank" href="http://weinverkostungen.de/tatort-deutsche-weinstrase/">hier</a> nachzulesen.
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/rezension-tatort-deutsche-weinstrasse/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Agenturschluss: Schwarzbuch Hartz IV</title>
		<link>https://bnab.de/agenturschluss-schwarzbuch-hartz-iv/</link>
		<comments>https://bnab.de/agenturschluss-schwarzbuch-hartz-iv/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 15 Jul 2006 20:37:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Rezension</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/agenturschluss-schwarzbuch-hartz-iv/</guid>
		<description><![CDATA[Die Proteste bei der Planung und Umsetzung der Arbeitsmarktreformen der &#8220;Rot-GrÃ¼nen&#8221;-Bundesregierung waren groÃŸ. SchlieÃŸlich wurden gar die Bundestageswahlen vorgezogen, da Kanzler SchrÃ¶der argumentierte, dass nicht genug Vertrauen in ihn und seine Politik der Agenda 2010 gesetzt werden wÃ¼rde. Nun hat sich der Ã¶ffentliche Widerstand gelegt. Eine individualisierte Problemverarbeitung und umfangreiche Buchpublikation hat begonnen. In diesem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Proteste bei der Planung und Umsetzung der Arbeitsmarktreformen der &#8220;Rot-GrÃ¼nen&#8221;-Bundesregierung waren groÃŸ. SchlieÃŸlich wurden gar die Bundestageswahlen vorgezogen, da Kanzler SchrÃ¶der argumentierte, dass nicht genug Vertrauen in ihn und seine Politik der Agenda 2010 gesetzt werden wÃ¼rde. Nun hat sich der Ã¶ffentliche Widerstand gelegt. Eine individualisierte Problemverarbeitung und umfangreiche Buchpublikation hat begonnen. In diesem Zusammenhang ist auch ein neues Schwarzbuch erschienen.</p>
<p>SchwarzbÃ¼cher sind in letzter Zeit in Mode gekommen. Da gibt es welche Ã¼ber Globalisierung, Ã–l, Markenfirmen, Steuerverschwendung usw. Das bekannteste Schwarzbuch der vergangenen Jahre ist das Ã¼ber den Kapitalismus von Robert Kurz (welches mit mehr als 800 Seiten doch eher lang geraten ist). Trotz dieser sintflutartigen Erscheinungsweise von SchwarzbÃ¼chern ist die Grundidee recht traditionell und geht auf christliche Ãœberlieferungen zurÃ¼ck. Dabei sind die Offenbarungen als Beschreibung von guten Taten einer Person in dem Goldenen Buch fÃ¼r das JÃ¼ngste Gericht zusammengefasst. Dieses wird auch als WeiÃŸbuch bezeichnet. Ein Schwarzbuch ist dem entgegen ein Buch, in welchem die SÃ¼nden dargestellt werden. Vor diesem Hintergrund entwickelten sich SchwarzbÃ¼cher als EnthÃ¼llungsliteratur. Ihr Sinn dabei besteht in der Anprangerung von MissstÃ¤nden.</p>
<p>Damit ist dieses Genre aus der katholischen Tradition entwachsen und in eine moderne Sachbuchform Ã¼berfÃ¼hrt worden. Peter Hartz, Gerhard SchrÃ¶der und Wolfgang Clement brauchen also durch die VerÃ¶ffentlichung des Schwarzbuches Hartz IV keine gesteigerte Angst vor der Entscheidung an der Himmelpforte und einer Verbannung in die HÃ¶lle samt Fegefeuer haben. Ganz irdisch hingegen mÃ¼ssen sie mit der Wut und Organisierung der Betroffenen rechnen.</p>
<p>In den Betrachtungen der Hartz-Reformen im Schwarzbuch ist ein Focus auf die Zwangs- und KontrollmaÃŸnahmen gelegt. So erscheint vieles im Trend einer neuen Unmittelbarkeit. Die gesellschaftlichen Vermittlungsprozesse hingegen, wie sie sich in dem Motto &#8220;FÃ¶rdern und Fordern&#8221; ausdrÃ¼cken, werden etwas vernachlÃ¤ssigt. Dies erklÃ¤rt sich aus den Erfahrungen, wie sie die Betroffenen gemacht haben. Zum zweiten nahm die Bundesregierung ihr &#8220;Vermittlungsproblem&#8221; selbst war, wobei einige Aspekte an diesen Arbeitsmarkt- und Sozialreformen einfach nicht vermittelbar sind.</p>
<p>Aus dem normativ entstammenden und sich wunderschÃ¶n anhÃ¶renden &#8220;Fordern&#8221; und &#8220;FÃ¶rdern&#8221; wurde - so wird in dem Buch argumentiert - ein bewusstes &#8220;Ãœberfordern&#8221; mit Vorgaben an den Arbeitslosen von Seiten der Arbeitsagenturen und ein anschlieÃŸendes &#8220;HerausbefÃ¶rdern&#8221; aus dem Leistungsbezug. In den Kantinen der ARGEn und Arbeitsagenturen hat sich fÃ¼r diese Praxis der Begriff &#8220;Verfolgungsbetreuung&#8221; gebildet. Dies meint, dass man dem &#8220;Kunden&#8221; so lange unannehmbare &#8220;Angebote&#8221; unterbreitet, bis damit eine LeistungskÃ¼rzung begrÃ¼ndet werden kann. In den Arbeitsloseninitiativen nennt man dies &#8220;raushartzen&#8221;. Die versprochenen Wunder am Arbeitsmarkt konnten die Hartz-Reformen nicht einlÃ¶sen. Somit bleibt nur noch die KÃ¼rzung bei sozial Schwachen Ã¼brig.</p>
<p>Das Schwarzbuch ist nicht nur wichtig da man in ihm Ã¼ber die Arbeitsmarktpolitik im untersten Segment recht viel erfÃ¤hrt, sondern auch Ã¼ber die Betroffenen. Denn Ã¼ber kaum eine andere gesellschaftliche Gruppe (wenn dieser Begriff angesichts des abnehmenden wohlfahrtsstaatlichen Elements des Statuserhalts noch verwendet werden kann) bestehen so viele MissverstÃ¤ndnisse wie Ã¼ber Arbeitslose. Im Ã¶ffentlichen Diskurs sind recht negative Stimmungen gegen diese Menschen vorhanden. Dadurch wurden die Hartz-Reformen erst mÃ¶glich. Im Alltagsbewusstsein wird die Problematik der Arbeitslosigkeit nicht als strukturelles Problem des entwickelten Kapitalismus wahrgenommen, sondern dem Verhalten der einzelnen Betroffenen zugeordnet. Dabei hatte sich die Subjektivierung und Individualisierung von sozialen Problemlagen schon vor den Reformen der Rot-GrÃ¼nen Bundesregierung gesellschaftlich durchgesetzt. Dies wurde mit den Hartz-Gesetzen Ã¼ber das &#8220;Fallmanagement&#8221; und die &#8220;Ich-AG&#8221; verstÃ¤rkt.</p>
<p>Um so mehr erstaunte die OrganisationsfÃ¤higkeit von Arbeitslosen wie sie sich in den Protesten zeigte. Dies gilt, auch wenn das eigentliche Ziel einer RÃ¼cknahme der Hartz-Gesetze nicht erreicht wurde. Bei einer Betrachtung Ã¼ber den Tellerrand, nÃ¤mlich nach Frankreich, zeigt sich ein anderes Ergebnis. Dort musste am Anfang dieses Jahres die Regierung nach massiven Protesten, an denen sich auch viele Studierende beteiligten, die Gesetze zur Verschlechterung der Position von Berufseinsteigern zurÃ¼cknehmen.</p>
<p>Proteste und politisches Engagement sind also keineswegs historisch Ã¼berholt. Zur Aktivierung von Widerstand kann das Schwarzbuch Hartz IV einen Beitrag leisten, da es die Arbeitsmarktreformen aus der Perspektive der Betroffenen darstellt und die Aktionen am Anfang des Jahres 2005 dokumentiert und reflektiert. Und dies passiert nicht im Stil des Geschwatzes wie bei Sabine Christiansen, wo dann zumeist ein Betroffener eingeladen wird und alle Mitleid haben, mit demjenigen der dabei plÃ¶tzlich der Einzige zu sein scheint, der nicht in der &#8220;HÃ¤ngematte&#8221; liegt und Sozialleistungen hinterzieht. In diesem Sinne ist das Schwarzbuch Hartz IV ein sinnvoller Beitrag und bei weitem kein Schwatzbuch. Es ist eine durchaus ernsthafte, wenn auch an manchen Stellen leicht erregte Auseinandersetzung.</p>
<p>Agenturschluss (Hrsg.): Schwarzbuch Hartz IV, Sozialer Angriff und Widerstand - Eine Zwischenbilanz, Berlin 2006: Verlag Assoziation A, 188 Seiten, 11 Euro
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/agenturschluss-schwarzbuch-hartz-iv/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Wein unter 10 Euro</title>
		<link>https://bnab.de/wein-unter-10-euro/</link>
		<comments>https://bnab.de/wein-unter-10-euro/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Jun 2006 03:54:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Allgemein</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/wein-unter-10-euro/</guid>
		<description><![CDATA[Die Rezension von dem Buch &#8220;500 Weine unter 10 Euro&#8221; von Till Ehrlich und Bernd Kreis gibt es hier.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Rezension von dem Buch &#8220;500 Weine unter 10 Euro&#8221; von Till Ehrlich und Bernd Kreis gibt es <a href="http://weinverkostungen.de/buch-till-ehrlich-und-bernd-kreis-500-weine-unter-10-e/">hier</a>.
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/wein-unter-10-euro/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>17. Juni 1953: Der Tag der Deutungen</title>
		<link>https://bnab.de/17-juni-1953-der-tag-der-deutungen/</link>
		<comments>https://bnab.de/17-juni-1953-der-tag-der-deutungen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2003 14:06:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Rezension</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/17-juni-1953-der-tag-der-deutungen/</guid>
		<description><![CDATA[Endlich ist es überstanden. Diverse Radiofeatures sind gehört. Ca. 40 Stunden Fernsehberieselung (von Spielfilm- bis zu Dokumentationsformaten) sind gesehen. Mindestens sechs Buchneuveröffentlichungen und Sonderseiten in vielen Tageszeitungen sind weggelesen. Die Aufmerksamkeit zum 50. Jahrestag des 17. Juni war wesentlich größer als zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennungen (10. Mai 1933; für alle die es nicht mitbekommen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich ist es überstanden. Diverse Radiofeatures sind gehört. Ca. 40 Stunden Fernsehberieselung (von Spielfilm- bis zu Dokumentationsformaten) sind gesehen. Mindestens sechs Buchneuveröffentlichungen und Sonderseiten in vielen Tageszeitungen sind weggelesen. Die Aufmerksamkeit zum 50. Jahrestag des 17. Juni war wesentlich größer als zum 70. Jahrestag der Bücherverbrennungen (10. Mai 1933; für alle die es nicht mitbekommen haben), an denen die deutschen Universitäten (insbesondere die faschistischen Studierendenorganisationen) nicht unwesentlich beteiligt waren. Tatsachen, derer leider nur wenig gedacht wird. Grund genug sich mit zwei Büchern zum 17. Juni zu beschäftigen.</p>
<p>Der 17. Juni ist als Ereignis immer umstritten gewesen. Jede Seite hatte          ihre instrumentalisierte Interpretation. In der DDR wurde er hoch offiziell          als ›faschistischer Putschversuch‹ gewertet. Die BRD machte          aus dem Tag des Aufstandes der Arbeiter im Osten einen Feiertag für          den Westen. Motto: &#8220;Tag der Deutschen&#8221;. Just wurde in Berlin          die Straße, die von Westen her auf das Brandenburger Tor zuführt          in die &#8220;Straße des 17. Juni&#8221; umbenannt. Seitdem ritualisierte          sich in der Bundesrepublik ein Gedenken.</p>
<p>Die Interpretation als &#8220;Tag der Deutschen&#8221; ist jedoch mehr          als fraglich. Die Arbeiter im Osten standen an dem Tag an der Maschine,          während die im Westen ins Grüne fuhren. Interessant ist die          Perspektive von 1953, nicht die interessengeleiteten Umdeutungen, die          im Laufe der Jahre passieren. So ging es den streikenden Arbeitern in          der ›Zone‹ im wesentlichen um Probleme innerhalb der DDR: Anlass          waren die um 10% erhöhten Produktionsnormen - also praktisch eine          Lohnkürzung - und gestiegene Preise. Es war kein Aufstand mit dem          Ziel der deutschen Einheit im Sinne Adenauers.</p>
<p>Hans Bentzien erinnert in seinem Buch über den 17. Juni daran, dass          die Frage der Verhinderung der Deutschen Einheit nicht einseitig zu erklären          ist. Denn die Reklamation für ein Vorantreiben der Vereinigung seitens          des Westens Deutschlands, wie sie 1990 durch den faktischen Anschluss          der DDR an die BRD (nach Art. 23 GG) umgesetzt wurde, war Anfang der 50er          Jahre noch nicht vorhanden. Diese wurde auch in dem (später nicht          mehr gesungenen) Text der DDR-Nationalhymne gefordert. Bentzien liest          sich eher so: Die BRD habe die Angebote zur deutschen Vereinigung, die          vom Osten gemacht wurden, abgelehnt.</p>
<p>In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass mit der Gründung          der Bundesrepublik und der Einführung der D-Mark vollendete Tatsachen          geschaffen wurden. Die Westbindung war wichtiger als die Einheit. Jedoch          kann auch an der Aufrichtigkeit der Vorschläge des Ostens gezweifelt          werd en: Schließlich musste jedes Bemühen um die deutsche Vereinigung          an der Frage des politischen Systems einer so geschaffenen Republik scheitern.          Die Wiedervereinigung war also von beiden Seiten mit einem Automatismus          der Ausdehnung ihres politischen Systems verbunden.</p>
<p>Manche Zusammenhänge lassen sich nur erklären, wenn in der          Geschichte bis zu den Ergebnissen des Zweiten Weltkrieges zurückgegangen          wird. So beginnt Bentzien mit seiner Beschreibung nicht erst am Vorabend          des 17. Junis. Er schildert den Zustand der Politiker der DDR. Viele von          ihnen wurden im Dritten Reich verfolgt und mussten fliehen. Einige von          ihnen witterten daher an vielen Stellen faschistische Verschwörungen,          die so nicht bestanden.</p>
<p>Des weiteren waren durch die wesentlich deutlichere Entnazifizierung          als im Westen große Teile der Wirtschafts- und Verwaltungseliten          in der DDR nicht mehr vorhanden. Dies bedeutete - neben einem fehlenden          Investitionsprogramm und dem zunehmenden Abgang vor allem der fähigen          Leute in den Westen - eine wesentliche wirtschaftliche und politische          Schwächung. Walter ›Spitzbart‹ Ulbricht war ein Anhänger          des so genannten &#8220;beschleunigten Aufbaus des Sozialismus&#8221;. Gemeint          war damit die Schwerindustrie zuungunsten der Konsumindustrie aufzubauen,          was zu erheblichen Unzufriedenheiten in der Bevölkerung führte.          Bentzien kritisiert, dass in dieser Situation von der Regierung der DDR          immer häufiger persönliche Fehler von Einzelnen für die          Probleme verantwortlich gemachte wurden, anstatt sie als strukturelle          Probleme zu erkennen.</p>
<p>Für die Bewertung des 17. Juni als &#8220;faschistischen Putschversuch&#8221;          - was bis 1989 offizielle DDR-Version blieb - wurden trotz intensiver          Suche es keine Beweise gefunden. Es darf aber nicht unterschlagen werden,          dass es zu rechtsextremen Umtrieben kam. So wurde damals an mehreren Orten          das Deutschlandlied in allen Strophen gesungen. Des weiteren gilt es zu          berücksichtigen, dass die deutsch-polnische Grenze an Oder und Neiße          zu der Zeit von der BRD nicht anerkannt war. Die Einstellung der Konservativen          in dieser Frage änderte sich erst 1990.</p>
<p>Der RIAS Berlin (Rundfunk im amerikanischen Sektor) -&#8221;Eine freie          Stimme der freien Welt&#8221; - spielte bei den Ereignissen im Juni 1953          eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Für Egon Bahr - damals          Redakteur des Senders der US-Armee -hatte der RIAS die Funktion eines          Katalysators für die Unruhen. Bentzien geht da viel weiter und meint,          der Sender habe die politischen Forderungen in die Ereignisse hineingetragen.          Ein Schlüssel zur Bewertung liegt in der Fragestellung, wann die          Anweisung von der US-Armee gekommen ist, nach der sich der RIAS mäßigen          solle, da eine Erwärmung des Kalten Krieges befürchtet wurde.          Bahr terminiert diesen Eingriff auf den 16. Juni. Bentzien meint, es müsse          später gewesen sein.</p>
<p>Das Buch von Bentzien beleuchtet Aspekte und Zusammenhänge, die          leider sonst etwas zu kurz kommen. Bei der allgemeinen Verklärung          der Ereignisse vom Juni 1953 als allumfassend positiven Volksaufstand          gegen ein Unrechtsregime (in manchen Darstellungen sogar als Revolution          bezeichnet!) sei auch an den randalierenden Mob erinnert. Diesen ordnet          Bentzien dem Westen zu, was jedoch nicht zu verabsolutieren ist. Aus dem          Mob heraus gab es Anzettelungen zu Schlägereien und es kam sogar          zu Lynchmorden. In der heutigen Darstellung werden die negativen Seiten          der Aufständigen gerne unterschlagen. Stattdessen wird das sowjetische          Militär brutalstmöglich dargestellt, wobei dieses relativ besonnen          eingriff (soweit Militär dies überhaupt kann). Wesentlich härter          demgegenüber war die ›juristische Aufarbeitung‹ der Ereignisse          in der DDR.</p>
<p>Wichtig ist, dass die Ereignisse des 17. Juni nicht isoliert betrachtet          werden, wodurch sie allzu häufig aus der heutigen Perspektive in          eine sehr reduzierte Deutung geraten. Eine formale Schwäche des Buches          von Bentzien besteht darin, dass einige Abkürzungen nicht eingeführt          sind. Ein inhaltliches Problem besteht in der unzureichenden Distanzierung          von polizeilichen und militärischen Aktion. So macht zwar der Lebenshintergrund          des damaligen Ministers Fritz Selbmann, von den Faschisten 13 Jahre in          Zwangsarbeit und KZ gebracht, die individuelle Härt e verständlich,          mit der er streikende Arbeiter in einem Betrieb mit dem Leben bedrohte,          wenn sie nicht sofort ihre Arbeit aufnehmen würden. Ein Rechtfertigungsgrund          ist dies aber nicht. Wo ist der gesellschaftliche Fortschritt, den die          DDR für sich reklamierte, wenn Menschen unter vorgehaltener Waffe          zu Arbeit gezwungen werden?</p>
<p>Auch Stefan Heym, der auf seine späten Tage noch Alterspräsident          des Deutschen Bundestages wurde und dessen Name erst im polnischen Exil          auf einer Postkarte an seine Eltern entstand, war einer der Verfolgten          in Nazi-Deutschland. 1945 kehrte er in einer Sergeantenuniform der US-Armee          zurück. Doch die Untersuchungen &#8220;unamerikanischer Umtriebe&#8221;          unter McCarthy bewegten ihn zu einer Übersiedlung in die DDR. Dort          konnte sein 1974 erschienener Roman 5 Tage im Juni erst nach 1989 gelesen          werden.</p>
<p>Heym schildert darin die Widersprüche im Arbeiter- und Bauernstaat,          in dem sich Arbeiter gegen ihre Regierung richteten. Über das Buch          sei nicht viel verraten, nur soviel: Es ist spannend geschrieben und ebenso          zu lesen - nicht zuletzt wegen einer Liebesgeschichte. Um dies zu lesen,          hätte es allerdings den ganzen Rummel um den 50. Jahrestag des 17.          Juni nicht bedurft. Das Gedenken fiel in eine Zeit, in der an jedem Tag          von neuem überlegt wird, an welcher Stelle Sozialleistungen gestrichen          werden können. Dabei hätten die Erinnerungen an den Tag zeigen          können, wie sich die Arbeitnehmer damals gewehrt haben: Die Normerhöhungen          wurden schließlich zurückgenommen.</p>
<p>Hans Bentzien: Was geschah am 17. Juni? Vorgeschichte - Verlauf - Hintergründe,          Berlin 2003, edition ost, 214 Seiten, 12,90</p>
<p>Stefan Heym: 5 Tage im Juni, Roman, Gütersloh 1974, C. Bertelsmann,          383 Seiten, Flohmarkt- oder Antiquariatspreis
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/17-juni-1953-der-tag-der-deutungen/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Super-Weine aus dem Supermarkt</title>
		<link>https://bnab.de/super-weine-aus-dem-supermarkt/</link>
		<comments>https://bnab.de/super-weine-aus-dem-supermarkt/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 15 Jun 2003 03:55:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Allgemein</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/super-weine-aus-dem-supermarkt/</guid>
		<description><![CDATA[Die Rezension von &#8220;Super-Weine aus dem Supermarkt&#8221; von Frank KÃ¤mmer ist hier zu lesen.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Rezension von &#8220;Super-Weine aus dem Supermarkt&#8221; von Frank KÃ¤mmer ist <a href="http://weinverkostungen.de/buch-super-weine-aus-dem-supermarkt/">hier</a> zu lesen.
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/super-weine-aus-dem-supermarkt/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Ignacio Ramonet: Kriege des 21. Jahrhunderts</title>
		<link>https://bnab.de/ignacio-ramonet-kriege-des-21-jahrhunderts/</link>
		<comments>https://bnab.de/ignacio-ramonet-kriege-des-21-jahrhunderts/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2003 20:32:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Rezension</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/ignacio-ramonet-kriege-des-21-jahrhunderts/</guid>
		<description><![CDATA[Auch wenn im Augenblick alles im Zeichen des dritten Golfkriegs steht          - die Debatte um die &#8220;Neuen Kriege&#8221; geht weiter. Welche internationalen          Dimension sie haben, beschreibt Ignacio Ramonet in seinem neuen Buch &#8220;Kriege     [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn im Augenblick alles im Zeichen des dritten Golfkriegs steht          - die Debatte um die &#8220;Neuen Kriege&#8221; geht weiter. Welche internationalen          Dimension sie haben, beschreibt Ignacio Ramonet in seinem neuen Buch &#8220;Kriege          des 21. Jahrhunderts&#8221;. Ausgehend vom 11. September betrachtet er          dabei den weltweiten Terrorismus und die Vormachtstellung der USA vor          dem Hintergrund der neoliberalen Globalisierung.</p>
<p>Ramonet, selbst einer der Gründerväter von Attac, sieht seit          den Angriffen auf das World Trade Center die Globalisierungskritiker in          einer Krise. Denn: Ihre zentrale Forderung, eine Besteuerung von internationalen          Finanztransfers, habe durch den Terroranschlag einen unangenehmen Beigeschmack          bekommen. Da die Täter ihre Motive nie erklärt haben, werde          der Anschlag oft in Verbindung mit den sozialen Missständen gebracht,          die aus der Globalisierung resultierten. Diese Kritik werde seitdem im          öffentlichen Diskurs überdeckt vom propagandistischen Kampf          gegen den Terrorismus.</p>
<p>Ramonet verweist darauf, dass all jene Bewegungen des Terrorismus bezichtigt          würden, die berechtigt oder unberechtigt die staatliche Ordnung umstoßen          wollten. Es hieße dann schlicht: &#8220;Fast alle politischen Zirkel          haben sich im Laufe der Geschichte irgendwann auf den Terrorismus als          Prinzip des politischen Handelns berufen.&#8221;</p>
<p>Dagegen weist Ramonet auf einen interessanten Zusammenhang zwischen dem          neuen Terrorismus à la al-Qaida und der der neoliberalen Globalisierung          hin: Während staatliche Strukturen und die Politik geschwächt          würden, gewännen Netzwerksstrukturen an Bedeutung. In diesem          Sinne sei auch al-Qaida stark an die bestehende Form der Globalisierung          angepasst.</p>
<p>Gerade die USA arbeiteten bekanntermaßen in verschiedenen Konflikten          auf der Welt mit Terroristen zusammen, so auch früher mit Ussama          Bin Laden, als er noch gegen die Sowjetunion kämpfte. Nun, da er          sich als ein Frankensteinsches Monster erwiesen habe, das sich gegen den          Schöpfer wende, und da die Sowjetunion zusammengebrochen ist, sei          der &#8220;terroristische&#8221; radikale Islamismus der willkommener Widersacher,          der Aufrüstung und militärische Interventionen rechtfertigen          ließe.</p>
<p>In diesem Sinne haben die Amerikaner den &#8220;Krieg gegen den Terrorismus&#8221;          konsequent auf den Irak ausgedehnt - obwohl Bush die Gründe für          den Krieg, den Einfluss des islamischen Fundamentalismus und Saddams Verbindungen          zu Bin Laden, nie beweisen konnte.</p>
<p>Als Krieg neuen Typs beschreibt Ramonet auch den Kosovokrieg. Er ging          aus keiner Bedrohungssituation hervor, sondern wurde als &#8220;moralische          Pflicht&#8221; verstanden. Die Politik der &#8220;null Toten&#8221; war der          höchste Imperativ - in Bezug auf die alliierten Angreifer. Auf Seiten          der Serben sah dies ganz anders aus. Die Region wurde um 20 Jahre zurückgebombt.          Die ungleichen Kräfteverhältnisse sind für Ramonet ein          Kennzeichen dieser neuen Kriege.</p>
<p>Klar sei: Kriege zielen im Zeitalter der Globalisierung weniger auf die          Eroberung von Ländern als auf die von Märkten. Eroberte Gebiete          sind langfristig politisch nicht haltbar, militärisch gefährlich          und finanziell kostspielig. Gleichzeitig werden neoliberale Ziele mit          den neuen Kriegen durchgesetzt.</p>
<p>Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Stärkung der Vormachtstellung          der USA. Nach dem Untergang der Sowjetunion sind sie als einzige Weltmacht          verblieben. Ramonet sieht sie durch den 11. September nicht geschwächt,          sondern gestärkt: Es gelang den Vereinigten Staaten durch die Solidaritätserklärungen          aus aller Welt die Politik anderer Länder stärker an die eigenen          Vorhaben zu binden. (Einschränkend muss man sagen: Das Buch wurde          vor dem Irakkrieg veröffentlicht.)</p>
<p>Trotz seiner zugespitzten Thesen zieht Ramonet ein positives Fazit: Eine          andere Welt, ja eine bessere Welt sei möglich - ohne dass er im Einzelnen          ausführt, wie sie aussehen sollte. Nur so viel: Während im Hier          und Jetzt die Probleme umrissen werden, lockt eine Zukunft, in der der          Mensch das Ruder in die eigene Hand nimmt und das sozial wie ökologisch          zerstörerische System besiegt. So wären die neoliberale Globalisierung          und die Kriege zu überwinden. Das klingt wunderbar. Über den          Weg dahin hätte man aber gern etwas mehr gelesen.</p>
<p>Ignacio Ramonet: &#8220;Kriege des 21. Jahrhunderts. Die Welt vor neuen          Bedrohungen&#8221;, aus dem Französischen von Birgit Althaler, 220          Seiten, Rotpunktverlag, Zürich 2003, 19,80
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/ignacio-ramonet-kriege-des-21-jahrhunderts/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>Heike Walk und Nele Boehme: Globaler Widerstand</title>
		<link>https://bnab.de/heike-walk-und-nele-boehme-globaler-widerstand/</link>
		<comments>https://bnab.de/heike-walk-und-nele-boehme-globaler-widerstand/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Oct 2002 14:09:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Rezension</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/heike-walk-und-nele-boehme-globaler-widerstand/</guid>
		<description><![CDATA[Mit Seattle und Genua ist eine Post-&#8221;Neue soziale Bewegung&#8221;          in die massenmediale Betrachtung getreten. Besonders nach den gewalttätigen          Ereignissen in Genua (vgl. dazu: GWR 261, September 2001) wurde ein Automatismus        [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Seattle und Genua ist eine Post-&#8221;Neue soziale Bewegung&#8221;          in die massenmediale Betrachtung getreten. Besonders nach den gewalttätigen          Ereignissen in Genua (vgl. dazu: GWR 261, September 2001) wurde ein Automatismus          sichtbar: Die mediale Aufmerksamkeit die den &#8220;Globalisierungsgegnern&#8221;          geschenkt wird, ist abhängig von der Härte der Auseinandersetzung.          Das vermittelte Bild wird keineswegs der widersprüchlichen Vielfältigkeit          dieser Bewegung(en) gerecht. So macht es Sinn sich in der Betrachtung          von der Folie der massenmedialen Simplizität zu verabschieden.</p>
<p>In Folge der öffentlichen Aufmerksamkeit ist eine recht umfangreiche          und tiefergehende Publikationstätigkeit, insbesondere von Sammelbänden          eingetreten. Einer von diesen ist &#8220;Globaler Widerstand&#8221;, herausgegeben          von Heike Walk und Nele Boehme. Der in dem Buch dann doch umstrittene          Untertitel lautet: &#8220;Internationale Netzwerke auf der Suche nach Alternativen          im globalen Kapitalismus&#8221;. Für Elmar Altvater (FU Berlin; &#8220;Grenzen          der Globalisierung&#8221;) bedeutet dies, dass eine Alternative außerhalb          des Kapitalismus nicht zur Debatte steht. Alle Aktivitäten der Globalisierungskritiker          und Globalisierungskritikerinnen laufen seiner Meinung nach auf ein &#8220;reformistisches          Regelwerk&#8221; hinaus. Sie wollen &#8220;den kapitalistischen Kern der          Globalisierung nicht erst knacken … bevor die Forderungen aufgebracht          und in Protestdemonstrationen in die Öffentlichkeit getragen werden&#8221;.</p>
<p>Diese Einschätzung wird von Dieter Rucht (Bewegungsforscher aus          Berlin) nicht geteilt. Er sieht die Frage, ob es um einen Widerstand im          oder gegen den Kapitalismus geht, nicht geklärt. Vielmehr bezweifelt          er das durch kleine Kursänderungen im neoliberalen Globalisierungsprozess          den Forderungen der Kritiker und Kritikerinnen an diesem Prozess entsprochen          werden kann. Des weiteren versucht Rucht öffentlich erzeugte Mythen          über die globalisierungskritische Bewegung zu entschlüsseln.</p>
<p>Entgegengesetzte Auffassungen funktionieren auch bei der globalisierungskritischen          Bewegung nicht als Spaltungslinien. Besonders in ihrer Offenheit - die          häufig bemängelt wird, da mit ihr eine vielschichtige Unbestimmtheit          einhergeht - liegt ihre Stärke, ebenso in dem Interesse sich nicht          nur mit globalen, neoliberalen Entwicklungen auseinander zu setzen, sondern          auch mit sich selbst. Dies meint der Untertitel mit der &#8220;Suche nach          Alternativen&#8221;. Dem kommt auch die Funktion eines Sammelbandes nach,          da es nicht darum geht zu schreiben was die Globalisierungskritiker und          Globalisierungskritikerinnen sind, sondern wohin sie aufbrechen möchten          und an welche Bewegungen der Vergangenheit sie anknüpfen können.          Dabei klingen auch einige kritische Aspekte und Fragestellungen in der          Auseinandersetzung mit der Globalisierungskritik an.</p>
<p>Es wird keine geschlossene Theorie präsentiert, sondern auch gegensätzliche          Einschätzungen vertreten. Trotzdem bestehen die Texte nicht aus einer          Diskussion unter Eingeweihten. Die Publikation bleibt offen für Leser/innen,          die sich nicht sehr intensiv mit dem globalen Protest auseinandergesetzt          haben. Es ist ein gut gelungenem Brückenschlag zwischen wissenschaftlichen          Maßstäben und der Orientierung an allgemeiner Verständlichkeit.</p>
<p>Damit einhergehend werden Berührungspunkte zwischen kritischer Wissenschaft          und Aktiven der globalisierungskritischen Bewegung gefunden. Der - erst          kürzlich verstorbene - französische Soziologe Pierre Bourdieu          (siehe Nachruf in: GWR 267, März 2002) beschreibt wie diese Kooperation          aussehen kann und vertritt vehement die Auffassung, dass Wissenschaftler          und Wissenschaftlerinnen angesichts der drastischen gesellschaftlichen          Auswirkungen neoliberaler Globalisierung nicht nur das Recht haben, sondern          auch in der Pflicht stehen, sich aus ihrem &#8220;Elfenbeinturm&#8221; zu          begeben. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Durchdringung der          Forschungsseinrichtungen von der neoliberalen Logik, wird dieser Aspekt          zunehmend relevant.</p>
<p><strong>Rädchen oder Sand im Getriebe?</strong><br />
Die Bedeutung und Rolle kapitalismuskritischer Kräfte bleibt in &#8220;Globaler          Widerstand&#8221; offen. Stattdessen taucht von Walk ein - nicht näher          erläuterter - Zivilgesellschaftsbegriff auf. Steht er nun affirmativ          im Raum, oder meint er mehr als bürgerliche Partizipation? Und wie          verhält sich dieser Begriff angesichts globaler und hiesiger ungleicher          Ressourcenverteilung? Ein Teil der Antworten werden von Walk zusammen          mit Achim Brunnengräber in &#8220;Die Globalisierungswächter&#8221;          gegeben. Dieses Buch ist vor den öffentlich beachteten weltweiten          Protesten an der neoliberalen Globalisierung erschienen.</p>
<p>Hier wird, neben einer ausführlichen Darstellung der Nichtregierungsorganisationen          (NGOs) in der Auseinandersetzung um die Klimapolitik, ein Überblick          über den schwammig gewordenen Zivilgesellschaftsbegriff gegeben.          Sie stellen fest, dass sie nicht a priori in eine bestimmte Richtung wirkt,          sondern eher als Konfliktfeld zu betrachten ist, in dem konkrete Akteure          wirken. Die NGOs mit ihren ambivalenten Funktionen zwischen Legitimationsbeschaffer          und Opposition verdeutlichen dies. Walk und Brunnengräber sehen in          den NGOs am Beispiel der Klimapolitik ein Demokratisierungspotenzial durch          die Verstärkung einer &#8220;Weltöffentlichkeit&#8221;. Doch weder,          so ihr Resümee, reichen die Partizipationsmöglichkeiten aus,          noch kann eine ernsthafte Kontrolle der &#8220;vermachteten internationalen          Politikprozesse&#8221; beobachtet werden.</p>
<p>Bei der internationalen Aushandlung der Klimapolitik wird deutlich, wie          die zunehmende Komplexität in der Auseinandersetzung Fachwissen auf          Seite der Protestierenden voraussetzt. Dies schränkt Emanzipationsmöglichkeiten          ein, da eine Bewegung dieser Funktion nur bedingt gerecht werden kann.          Die angestrebte gesellschaftliche Veränderung kann auf dieser Ebene          nicht erzwungen werden, da mit der Einbeziehung Weniger selektive Schließungsprozesse          einhergehen. Und hier kommt die allzu häufig verachtete Masse, ihre          Kultur und die Medien mit ihr zu kommunizieren gegenüber den ungenügend          demokratisch legitimierten internationalen Entscheidungsgremien wieder          ins Spiel.</p>
<p>Heike Walk und Nele Boehme (Hrsg.): Globaler Widerstand - Internationale          Netzwerke auf der Suche nach Alternativen im globalen Kapitalismus, Münster          2002, Verlag Westfälisches Dampfboot, 221 Seiten</p>
<p>Heike Walk und Achim Brunnengräber: Die Globalisierungswächter          - NGOs und ihre transnationalen Netze im Konfliktfeld Klima, Münster          2000, Verlag Westfälisches Dampfboot, 336 Seiten
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/heike-walk-und-nele-boehme-globaler-widerstand/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
		<item>
		<title>JÃ¼rgen Trittin: Welt um Welt</title>
		<link>https://bnab.de/juergen-trittin-welt-um-welt/</link>
		<comments>https://bnab.de/juergen-trittin-welt-um-welt/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 25 Aug 2002 20:29:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>eine-neue-welt-erfinden</dc:creator>
		
		<category>Rezension</category>

		<guid isPermaLink="false">http://bnab.de/jurgen-trittin-welt-um-welt/</guid>
		<description><![CDATA[Mit der Debatte um die private Nutzung von Bonusmeilen durch Bundestagsabgeordnete          ist der Begriff Moral wieder in der politischen Auseinandersetzung aufgetaucht.          Dabei erregt es keine Aufmerksamkeit, daï¿½ die meisten Bundestagsabgeordneten        [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Debatte um die private Nutzung von Bonusmeilen durch Bundestagsabgeordnete          ist der Begriff Moral wieder in der politischen Auseinandersetzung aufgetaucht.          Dabei erregt es keine Aufmerksamkeit, daï¿½ die meisten Bundestagsabgeordneten          zu den Vielfliegern gehï¿½ren. Es geht lediglich um die Aneignung von          Steuergeldern, nicht jedoch um Aneignung bzw. exorbitante Nutzung natï¿½rlicher          Ressourcen. Anders ist dies im Buch ï¿½Welt Um Weltï¿½ von Jï¿½rgen          Trittin. ï¿½Der Flugverkehr, von der Urlaubsreise ï¿½ber Geschï¿½ftsreise          bis zur Luftfracht, hat rapide zugenommen - die Kosten dagegen haben abgenommenï¿½,          schreibt er und schildert die ï¿½kologischen Folgen dieser Entwicklung,          auch anhand der Situation der Eisbï¿½ren im Zusammenhang mit der Erderwï¿½rmung          oder der naturzerstï¿½renden Wirkung der Massenproduktion von Shrimps.</p>
<p>Im Kern der Problemfelder erkennt Trittin die Kapitalrendite als ï¿½einziges          Erfolgskriteriumï¿½. Dem soll eine ï¿½kologische Langfristorientierung          gegenï¿½bergestellt werden. Trittin leitet den Handlungsdruck davon          ab, daï¿½ die Wirtschaftsweise des Nordens angesichts der ï¿½kologischen          Ressourcen nicht global tragfï¿½hig ist. Der derzeitige Lebensstil          des Nordens kann - aufgrund der Grenzen des ï¿½kosystems - nicht globalisiert          werden. An dieser Entwicklungsform orientieren sich die Lï¿½nder des          Sï¿½dens. Deswegen ist im Norden, der als fehlentwickelt beschrieben          wird, eine grundsï¿½tzlich neue Zielausrichtung notwendig: ein ï¿½ï¿½kosozialproduktï¿½          statt eines Bruttosozialprodukts.</p>
<p>Die Lï¿½sung der phï¿½nomenologisch beschriebenen Gesamtproblematik          sieht Trittin in einer verstï¿½rkten globalen Regulation nach ï¿½kologischen          Gesichtspunkten. Ein Instrument in der umfassenden Internalisierung von          ï¿½kologischen und sozialen Kosten: eine ï¿½ï¿½koeffizienzï¿½          soll angestrebt werden, z. B. im Flugverkehr. Konkrete Beispiele fï¿½r          Regulationen wï¿½ren die Einfï¿½hrung ï¿½absoluter Obergrenzen          fï¿½r den Verbrauch endlicher Ressourcenï¿½ oder die Tobinsteuer,          die er fï¿½r sinnvoll erachtet.</p>
<p>Entsprechend dieser Forderungen mï¿½chte Trittin die ï¿½Dominanz          von G8, IWF und WTOï¿½ einschrï¿½nken und dafï¿½r die Kompetenzen          der UN-Organisationen ausweiten. Die Vereinten Nationen sind der Rahmen,          in dem eine ï¿½kologische Zieldefinition weltweit durchgesetzt werden          kann. Kritische Einwï¿½nde zum Rio+10-Prozeï¿½ wie den von Kofi          Annan, der immerhin von Rï¿½ckschritten schrieb, blendet Trittin aus.          Ambivalent bleibt auch die Rolle der EU. Zum einen wird sie als Mï¿½glichkeit          betrachtet, europï¿½ischen Umweltinteressen international Gewicht zu          verleihen, zum anderen sind die Subventionen (vor allem im Agrarbereich)          auch ein Grund fï¿½r die weltweite soziale und ï¿½kologische Ungerechtigkeit.</p>
<p>Trittin weiï¿½, daï¿½ ï¿½internationale Konzerne auf nationale          Regierungen erheblichen Druck ausï¿½benï¿½ kï¿½nnen. Leider          bleibt offen, was dies fï¿½r die vergangenen vier Jahre als Umweltminister          bedeutete. So bleiben die Akteure schematisch und fast schon steril. Der          Prozeï¿½ der Verï¿½nderung ist in dieser Publikation kaum an eine          Betrachtung von politischen Krï¿½fteverhï¿½ltnissen gekoppelt.
</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://bnab.de/juergen-trittin-welt-um-welt/feed/</wfw:commentRss>
		</item>
	</channel>
</rss>
